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Face my Back


Dokumentation DVD 05.2006
Team: Stefan Plessner, Christian Wiener

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Die aktuelle Fragestellung der beiden Medienkünstler Stefan Plessner und Christian Wiener konzentriert sich auf offene, interaktive Systeme aus der Kombination vorgefundener verbreiteter Technologien und bestehender Verhaltensfiguren gegenwärtiger Nutzer. Idee dabei ist, durch minimale Eingriffe möglichst regelfreie, interaktive Situationen mit komplementärer innerer Struktur herbeizuführen. Den Personen, die sich in diese Situationen begeben oder an ihnen teilnehmen, sollen möglichst vielfältige Reflexionen ermöglicht werden - bezogen auf den gesellschaftlichen Kontext, die technologischen Bestandteile der Installationen und auf sich selbst. Einen hinreichend bekannter aber immer noch aktuell diskutierter Schnittpunkt von Technologie, Alltag und Gesellschaft bildet die computergestützte Biometrie und hier besonders die Technologie der automatischen Gesichtserkennung.

Der öffentliche Raum ist zunächst einmal riskant. Elektronische Sicherheitssysteme versprechen Ordnung im Ungeregelten, Eindeutigkeit im Ungewissen und die Archivierung des Flüchtigen. Genauso produzieren sie Skepsis und diffuses Unwohlsein. Ihre Techniken liefern aber auch die Möglichkeiten zu interaktiv kreativen Seiten- und Rückblicken.

In der Ausstellungssituation geht der Besucher zunächst in die Datenfalle. Angelockt von einem TFT-Screen, der ihn spiegelt, zeichnet eine Gesichtserkennungssoftware sein Gesicht auf und vergleicht es mit den Gesichtern anderer Besucher. Gleichzeitig wird eine Hinterkopfansicht aufgezeichnet. Die Anordnung des zweiten Screens verspricht dem Besucher ein ebenso objektives Bild von ihm. Tatsächlich zeigt der zweite Screen die Hinterkopfpartie eines anderen Besuchers, dessen Gesicht von der Software als ähnlich eingestuft wurde.

Die persönlichen Daten werden zusätzlich auf einen „Träger“ (RFID-Chip) verschlüsselt und verschenkt. Dem Betrachter steht es frei, die Installation neu zu betreten und mit den neuen Daten des RFID Chips eine neue Vergleichs-Verschlüsselungskette auszulösen. Mit der Erinnerung des ihm durch das System zugewiesenen Bildes, verlässt der Betrachter die Installation auf der Suche nach ähnlichen Bildern und kehrt so die initiale Situation vom Beobachteten zum Beobachter um.

Die Installation „face my back“ beschäftigt sich mit biometrischen Identifikationssystemen und ihren „eindeutigen“ Versprechungen. Der gängigen Überwachungspraxis des heimlichen Aufzeichnens, Verarbeitens und Veränderns von physischen Merkmalen wird die Selbst- und Alltagserfahrung der Erfassten spielerisch gegenübergestellt.

Individuelle biometrische Abgleiche fungieren als Brücke zwischen den Teilnehmern in der Ausstellung. Die Vergleichsdaten, die als Giveaways auf RFIDs beschrieben und verschenkt werden, können wieder dem System zugeführt werden, um die Variationsvielfalt dieses Kreislaufs zu erweitern.